Theodor Rümpler im Jahr 1882 über die Haage-Ahnen

Aus : Festschrift „125 Jahre jun.“ und „Illustriertes Gartenbaulexikon“, Theodor , Verlag Paul Parey Berlin 1882

– Der älteste nachweisbare Ahne1 der Gärtnerfamile Haage in war Johann Heinrich Haage, geboren um 1735, die drei Söhne desselben wurden gleichfalls Gärtner, Franz Anton, Johann Nicolaus und Joachim.

Der erste dieser Söhne begründete die noch heute unter seinem Namen bestehende Samenhandlung. Sein Bernhard, geboren 1800, widmete seine ganze Kraft dem Geschäfte seines Vaters und führte es später für eigene Rechnung fort. Ihm entstammen vier noch lebende Söhne, von denen Franz August, geboren 1830, in das Vatererbe eintrat und es nach und nach in den verschiedensten Richungen, insbesondere im Anbau von Gemüse- und Blumensamen, erweiterte, Louis aber, geboren 1839 im Dreienbrunnen [Verweis siehe unter Thüringen] Gemüsebau betreibt. Auch die Söhne und Enkel von Johann Nicolaus blieben bis auf den heutigen Tag dem Gärtnerberufe treu. Auf einen der Söhne werden wir zurückkommen.

Joachim’s ältester Sohn, Martin Friedrich Adolph, geboren 1811, züchtete aus dem gewöhnlichen Erfurter Blumenkohl den so hoch geschätzten Erfurter Zwergblumenkohl und auch die übrigen sind als „Dreienbrunnengärtner“ d. i. Gemüsegärtner, rühmlichst bekannt und waren stets unablässig auf die vervollkommnung der Gemüsesorten bedacht. Besonders der zweite Sohn Franz Anton, geboren 1814.

Einer anderen Linie der selben gehören zwei Gärtner an, von denen Christian in Mühlhausen sich ein Arbeitsgebiet geschaffen hat, der andere aber Johann Nicolaus, Teilhaber der Handelsgärtnerei Haage & Schmidt, vor einigen Jahren auf einer Reise in den Schweizer Alpen verunglückte. Ausgerüstet mit seltener Energie, mit Leib und Seele seinem Berufe ergeben, eingeweiht in die Technik des Gartenbaus, sowie in die Forderungen und Bedingungen eines gedeihlichen Samen- und Pflanzenhandels, zählte er zu den tüchtigsten seiner Berufsgenossen.

Wir kommen auf einen der Söhne des älteren Johann Nicolaus zurück, auf Friedrich Adolph. Derselbe wurde 1796 geboren. Nachdem er von 1811 bis 1814 bei dem damaligen Hofgärtner Johann Heinrich Seidel im Orangeriegarten zu Dresden, die Gärtnerei erlernt, trat er in die Reihe der freiwilligen Jäger und machte den Feldzug nach Frankreich mit. Nach dem Frieden wurde er von seinem Onkel Franz Anton Haage während einiger Jahre beschäftigt. 1822 begründet er sein eigenes Geschäft. Es war ein Gärtchen von ca. ½ Morgen, das er zu seinem Zwecke erpachtete und indem er die ersten schwachen Fäden anknüpfte, die er in späteren Verbindungen mit rastloser Tätigkeit über ganz und Europa und über das Meer hinaus spannte. Aber die ersten Früchte seiner jugendlichen Strebsamkeit wurden durch ein Hagelwetter fast gänzlich zerstört, und nur einer zähen Ausdauer, wie der junger Anfänger sie besaß, konnte es gelingen, in wenigen Jahren das verlorene wiederzugewinnen und neue Erfolge zu erringen. Bald war er im Stande, ein größeres Grundstück zu erwerben und seine Kulturen zu vermehren und zu erweitern.

Schon im ersten Jahrzehnt seiner handelsgärtnerischen Tätigkeit kultivierte er mit großer Vorliebe Cacteen und erwarb sich ein seltene Kennerschaft. Seine Sammlung wurde endlich die größte und vollständigste Europa’s. Einen anderen Gegenstand der aufmerksamsten Kultur bildeten Levkoyen, Goldlack, Astern und andere Florblumen, und eine reiche Frucht, dieses Teiles, der Bestrebungen Friedrich Adolph Haage’s erblicken wir in vielen Racen und Farbenvarietäten, die von ihm zum Teil erzogen, zu einem anderen verbreitet wurden. Aber auch von Warm- und Kalthauspflanzen wurde in Haage’schen Etablissement eine reiche und gute Auswahl kultiviert und manche wertvolle Novität fand von hier aus ihren Weg in die Gärten Europa’s. Haage’s erstes Samenverzeichnis wurde 1824 ausgeben. Es enthielt einen Anhang über damals populär gewordene Pflanzen. Interessant ist es, den damaligen Bestand des Georginensortiments mit dem heutigen zu vergleichen. Von „immer gefüllt kommenden“ Varietäten werden aufgeführt: formosa purpurea, formosa rosea, rubra fistulosa. Aber „nur in fetter Erde und gehöriger Feuchtigkeit“ entwickeln folgende gefüllte Blumen: lutea, lutea semiplena, coccinea, lilacina, rosea, sulphurea.
Gewann durch die vorbildliche Wirksamkeit Fr. Ad. Haage’s der Handelsgärtnerische Verkehr an Energie und Ausbreitung, so erwarb er sich als einer der Mitbegründer des Erfurter Gartenbauvereins ein großes Verdienst um die Verallgemeinerung der Liebe zum und um die Verbesserung der Kultur. Dieses Verdienst wurde durch die Aufnahme des ebenso intelligenten, wie praktisch tüchtigen Gärtners in den Vorstand und in späteren Jahren durch seine Ernenung zum Ehrenpräsidenten des Vereins, zum korrespondierenden und Ehrenmitgliede zahlreicher botanischer, pomologischer und Gartenbauvereine Deuschlands und außerdeutscher Länder, endlich auch von der Staatsregierung durch Verleihung eines Ordens anerkannt. Im 60 Lebensjahre stellte sich ein astmatisches Leiden ein, das mit jedem Jahre an Heftigkeit zunahm und auch dem wiederholten Gebrauche der Emser Heilquellen nicht weichen wollte. 1863 erkrankte er so schwer, daß die Ärzte ihn aufgaben. Aber noch einmal lehnte sich die kräftige Natur mit scheinbaren Erfolg gegen den andringenden Tod auf, doch nur für kurze Zeit. Ein neuer kräftiger Anfall rieb den Rest seiner Widerstandskraft auf, aber seiner geistigen Kräfte blieb er mächtig, fast bis zu seinem 1866 erfolgten Ende.

Von seinen drei Söhnen ist Ferdinand der alleinige Inhaber der Firma Friedrich Adolph Haage jun. geblieben.

Ferdinand ist der Vater meines Großvaters Walther Haage gewesen.

  1. bis 2010 sind weitere Generationen bis 1660 in den Archiven gefunden worden []

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